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Jugendzeitungen verletzen journalistische Normen
Posted on März 8th, 2010 Paul Frisch 3 commentsRedakteure der Jugenpresse Baden-Würtemberg kritisieren die Zeitungen “Yaez” und “Spiesser”:
Laut des Jugendmagazins “NOIR” veröffenlichen die beiden Jugendzeitschriften bezahlte Artikel, die jedoch nicht als Anzeige gekennzeichnet werden, sonder in Gestalt redaktioneller Beiträge daherkommen. Hier die Pressemitteilung dazu:
Sie liegen kostenlos an vielen Schulen aus und bieten einen scheinbar seriösen Themen-Mix abseits von Glamourstars und Blümchensex.Doch die Jugendzeitungen „Yaez“ und „Spiesser“ verstoßen gegen journa- listische Normen: Sie publizieren bezahlte Artikel, die nicht als Anzeige gekennzeichnet sind, und veröffentlichen Anzeigen in Gestalt redaktioneller Beiträge. Das haben Redakteure des Magazins NOIR der Jugendpresse Baden-Württemberg recherchiert.
Der Tübinger Medienwissenschaftler und Werbeexperte Guido Zurstiege kritisiert die Zeitungen „Yaez“ und „Spiesser“: „Das sind Medienangebote, in denen sehr deutlich gegen die geltenden Normen der Trennung von Werbung und redaktionellem Inhalt verstoßen wird, und zwar nicht aus Zufall, sondern mit einem gewissen Kalkül.“
Sowohl die Spiesser GmbH als auch die Yaez Verlag GmbH vergrößern ihren Einfluss: Die Spiesser GmbH erstellt und betreut seit 2008 auch Schekker.de, das Onlinemagazin der Deutschen Bundesregierung. Der Yaez-Verlag wird in die- sem Jahr mit einer eigenen Nachrichtenagentur für Jugendthemen an den Start gehen und plant dabei seine Redaktionsstellen zu verdoppeln. Doch beide Verlage sind sich ihrer Verantwortung offenbar nicht bewusst, dabei hat Spiesser eine bundesweite Auflage von 800.000 Exemplaren, Yaez hat rund 360.000 Exemplare. Guido Zurstiege fordert, dass Schüler vor werblichen Attacken geschützt werden müssen, wenn deren werblicher Charakter verschleiert wird, wie dies bei Yaez und Spiesser der Fall ist.
Marieke Sobiech arbeitete drei Monate lang beim Spiesser. Heute ist sie Pressereferentin der Stadtmarketing Schwerin. Sie sagt: „Der Spiesser ist eigentlich ein Fall für den Deutschen Presserat.“
Eine Kritikerin von Yaez erklärt: „Im Laufe der Zeit fiel auf, dass die Yaez-Artikel von Werbung durchzogen waren. Man hatte das Gefühl: Es geht gar nicht mehr um ein Thema, sondern um schlichtes Product Placement.“
Die Jugendpresse Baden-Württemberg lehnt derartige Werbeformen ab. „Das ist eine Form des Journalismus, die wir nicht gutheißen können“, sagt Kai Mungenast, Vorstandssprecher der Jugendpresse Baden-Württemberg. „Jugendliche sollten weder als Journalisten noch als Rezipienten mit derartigen Praktiken konfrontiert werden, die gegen die Grundsätze des Deutschen Presserates verstoßen.“ Er fordert, die Jugendzeitungen müssen alle Beiträge, für die Geld geflossen ist, als „Anzeige“ kennzeichnen.
Der Artikel „Die Schulhof-Flüsterer“ erscheint als Beitrag in NOIR Ausgabe Nr. 14, dem Magazin der Jugendpresse.3 Responses to “Jugendzeitungen verletzen journalistische Normen”
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Jugendzeitungen mit Verletzung journalistischer Normen? | Medienrauschen | Medienweblog | Social Media, Medien, Online Gaming März 8th, 2010 at 13:47
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Hallo Kai Mungenast,
erst einmal: ich finde es außerordentlich gut, dass Du die Einhaltung journalistischer Regeln und Normen forderst. Es ist wichtig und richtig, dass Du als Vertreter der Jugendpresse diese reine Lehre stets aktiv verteidigst.
Ich würde es an dieser Stelle sehr begrüßen, wenn Du in Zukunft diese wichtigen journalistischen Grundregeln auch in Deinem eigenen Verein durchsetzen könntest.
Denn bei der Recherche des besagten Artikels in eurem Magazin wurde eine ganze Latte dieser Grundregeln verletzt.
Ich nenne nur ein paar Beispiele:
1. Mitarbeiter und Autoren von SPIESSER, darunter Jugendliche, wurden aufgefordert sich möglichst in negativer Form und anonym über SPIESSER zu äußern.
Hierzu sagt der Pressekodex:
“Bei der Recherche dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden.”2. Wir als Beschuldigte, wurden von den Autoren des Beitrages nur mit einem Bruchteil der Vorwürfe konfrontiert, es wurde uns auf die allermeisten Dinge keinerlei Möglichkeit einer Äußerung oder Stellungnahme eingeräumt. Und das übrigens trotz eines längeren Interviews.
Hierzu steht im Schülerzeitungshandbuch der Jugendpresse:
„Man muss auch den Beschuldigten befragen und seine Stellungnahme in den Bericht aufnehmen.“
Oder auch: “Bei Konflikten sind stets die Positionen beider Seiten darzustellen“
3. Die für die Kritik an SPIESSER als Quellen herangezogenen 5 Personen wurden nicht oder nur oberflächlich auf ihre möglichen persönlichen Verstrickungen oder Interessen hinsichtlich SPIESSER geprüft.
Hier gibt es die Regel:
„Bei jeder Recherche sollte man sich vergegenwärtigen, wer Informationen zur Verfügung stellt und mit welchem Interesse.“4. Die Interpretation der kritisierten Dinge wurde jeweils einer der oben bereits erwähnten 5 Personen überlassen.
Dazu steht im Schülerzeitungshandbuch der Jugendpresse:
„Texte, die sich nur auf eine einzige Quelle stützen, sind tabu.“
Oder auch anders formuliert:
“Eine Quelle allein ergibt keine Nachricht. Für eine Nachricht braucht es mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen.“
Mit diesem Hinweisen will ich es erstmal bewenden lassen. Wir haben bereits während der Recherche die Autoren, insbesondere Andreas Spengler, darauf hingewiesen, dass sie hier grob fahrlässig handeln.
Genutzt hat es offenbar nichts. Vielleicht macht ihr den Text ja mal zum Gegenstand beim nächsten Seminar “Journalismus für Anfänger”, ich zeige dann gern im Detail auf, wie es eben gerade nicht laufen sollte.
In diesem Sinne, eine offizielle Antwort folgt die Tage sicher noch.
Beste Grüße
Frank -
Hi,
Zur Information: ich kann nur für mich sprechen, der ich auch im Artikel zitiert wurde: Ich wurde nicht nach negativen Dingen gefragt sondern neutral interviewt und fühle mich auch richtig wiedergegeben. Mein wörtliches Zitat wurde mit vor Veröffentlichung vorgelegt und ist genau so differenziert wiedergegeben wie auch meine Meinung zu dem Thema ist. Ich finde den Artikel auch insgesamt ziemlich differenziert, auch wenn ich natürlich nicht alle Hintergründe und Rechercheabläufe kenne.
Auf die offizielle Reaktion bin ich sehr gespannt und hoffe sehr dass sie außerhalb von Rechtsanwälten, Unterlassungserklärungen und ähnlichem abläuft. Journalistisch gibt es ja zum Beispiel den Weg der Gegendarstellung… Diese sollte die Redaktion veröffentlichen, muss sie aber auch nicht unkommentiert lassen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe (meine Presserechtsseminare sind auch schon ne Weile her).
Liebe Grüße
Sebastian
Ex-Bundesvorstand Jugendpresse Deutschland
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